Janina Bruckmann
Evidensia Deutschland GmbH (Private Equity Portfolio Company)
Ich bin Janina Bruckmann, Communications & Marketing Director bei IVC Evidensia DACH – zuständig für Marketing und Kommunikation von rund 150 Tierarztpraxen und -kliniken in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Mein Job besteht meistens daraus, komplizierte Themen wie Kostentransparenz oder Prävention so zu erklären, dass sie auch um 22 Uhr in einer Elternchat-Gruppe noch verständlich wären. Angetrieben werde ich von der Idee, dass Tierhalter und ihre Tierärzt:innen einander vertrauen können und sollen – und von der festen Überzeugung, dass gutes Marketing niemanden anschreien muss, um gehört zu werden.

Chatbot Interview
Ihr Morgen-Medium?
LinkedIn, ein Protein-Drink und die Hoffnung, dass niemand vor 8 Uhr eine Krisenkommunikation braucht. Wenn's gut läuft, schafft es noch ein Marketing-Podcast auf dem Weg zum Schreibtisch dazwischen.
Welche MarTech war/ist für Sie bahnbrechend?
Der Sprung von "Alle bekommen dieselbe E-Mail" zu echtem Customer-Journey-Marketing über CRM-Systeme HubSpot. In unserer Veterinärbranche, die bis vor einiger Zeit noch mit Papier-Karteikarten glücklich war (da das Business total lokal ist), fühlt sich das an wie der Wechsel vom Ruderboot zum Segelschiff – plötzlich kann man tatsächlich sehr zielgenau steuern, wohin man will. Dabei ist mir die persönliche Nähe sehr wichtig - Digitalisierung ermöglicht personalisierte Nachrichten und die kommunikativ lebenslange Begleitung unserer tierischen Patienten. So können wir immer dann da sein, wenn wir gebraucht werden.
Ihr größter PAIN-Pitch und was Sie daraus gelernt haben?
Ich bin vor Jahren einmal mit einem großen Mediabudget als Gesamtpaket losgesegelt – und bin ziemlich elegant an der Freigabe-Klippe zerschellt. Die Lehre: Niemand vertraut einem Kapitän blind, nur weil er ein großes Schiff will. Also habe ich das Budget in kleine, beweisbare Etappen zerlegt, die jede für sich zeigen, dass der Kurs stimmt.
Was würden Sie gern automatisieren und was niemals?
Automatisieren würde ich sofort alles, was mit Reporting, Recall-Erinnerungen und sich wiederholenden Excel-Tabellen zu tun hat – gerne heute noch, am liebsten gestern. Niemals automatisieren würde ich Themen, die mit emotionalen Momenten zu tun haben. Da will ich keinen Chatbot sehen, der "Ich verstehe Ihren Schmerz" tippt.
Konzern oder Familienunternehmen?
Ja. IVC Evidensia ist im Grunde ein Konzern im Familienunternehmen-Kostüm: gewachsen aus vielen einzelnen, sehr lokalen Tierarztpraxen, die sich international zusammengetan haben.
Welches Event ist für ihr Unternehmen wichtiger: Firmenfest oder Zukunftsworkshop?
Beides ist wichtig – aber für unterschiedliche Dinge. Der Zukunftsworkshop gibt uns den gemeinsamen Kurs: Bei 150 Standorten in drei Ländern ist es entscheidend, dass alle wissen, wohin die Reise geht und warum. Das Firmenfest gibt uns die Crew, die diesen Kurs auch mitträgt – denn ein Ziel allein reicht nicht, wenn die Mannschaft sich nicht kennt und vertraut. Wer nur strategisch plant, ohne je gemeinsam zu feiern, läuft Gefahr, ein starkes Ziel mit einer losen Crew zu verfolgen.
Wie schaffen Sie sich im operativen Alltag Raum für die Weiterentwicklung ihrer Unternehmensstrategie?
Ich blocke mir feste Zeiten im Kalender – notfalls mit einem Termin, der schlicht "Nicht stören, ich denke nach" heißt. Und ich hole mir regelmäßig Perspektiven von außen, weil man vom eigenen Deck aus selten den ganzen Horizont sieht.
Ihr Dinner-Tipp in Koblenz?
In Koblenz gehört ein Abstecher zum Deutschen Eck dazu – dort, wo Rhein und Mosel zusammenlaufen, kann man wunderbar mit Blick aufs Wasser essen. Für einen besonderen Abend empfehle ich das Gotthardts in Koblenz-Metternich, wo Küchenchef Yannick Noack kreative Mehrgänge-Menüs mit überraschenden Kontrasten serviert –, aber die Rechnung hat es auch in sich. Für den entspannteren Abend tut's auch das Project Vegan oder Oscar Food & Drink, zwei sehr gute vegane Restaurants.
Ganz oben auf Ihrer TraumReise-Bucketlist steht…
… ein Segeltörn über das IJsselmeer, vorbei an den Hafenstädtchen Enkhuizen und Hoorn – flaches Wasser, klarer Wind, und abends ein kühles Getränk auf dem Kai. Mehr Idylle braucht es eigentlich nicht.
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