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Warum dank Corona unsere Innovationskraft wächst.

Tobias Voigt Apr 20, 2020 5:07:06 PM

Nur wenige Wochen ist das Corona-Zeitalter alt – und schon denken Viele mit Wehmut an eine pulsierende Wirtschaft, unbeschwerte Bürobesuche, lebhafte Messe-Events, an Geschäftsreisen oder internationale Meetings zurück. Nichts ist jetzt mehr, wie es war – und doch ist das alles schon mal da gewesen. Und es ist nicht alles schlecht daran. 

 

Denn schaut man sich die Geschichte der Pandemien an, wird auch Corona, wie alle anderen zuvor, eine Welle der Innovation auslösen. Auch sie wird die Form unseres gesellschaftlichen und damit auch wirtschaftlichen Zusammenlebens verändern. Und tut es bereits. 

 

Zu jeder Zeit haben Krankheitswellen die Menschheit und die Wirtschaft in substanzieller Weise getroffen, und es gibt keinen Grund zu glauben, dass es mit dem Coronavirus anders sein wird. Die früheste uns bekannte Pandemie war die Pest von Athen, die um 429 vor Christus fast 100.000 Menschenleben forderte und massiv die Art und Weise veränderte, wie Menschen über das Leben und Krankheiten denken.  

 

Obwohl jede Pandemie einzigartig ist und sich die Menschheit in den letzten 2500 Jahren substanziell weiterentwickelt hat, gibt es doch Gemeinsamkeiten, wie die jeweilige Gesellschaft mit ihr umgegangen ist, wie sie sich verhält – und wie sie innovative Antworten auf diese Herausforderungen entwickelt. So extrem und grausam diese Krankheiten für die Gesellschaft auch waren, jede einzelne hat die Lebens- und Arbeitsweise verändert und zu Innovationen geführt, die uns das Leben und Überleben erleichterten und ermöglichten. 

 

Dazu einige Beispiele: 

 

Die große Pest als Startschuss der Renaissance  

Nur sehr wenige Katastrophen haben die Gesellschaft so stark in Mitleidenschaft gezogen und der Menschheit größeren Schaden zugefügt wie die Große Pest oder der Schwarze Tod, die zwischen 1331 bis 1353 in Europa wütete. Niemand weiß, wie viele Menschen starben, aber die Schätzungen reichen bis zu Hunderten von Millionen. Der Schwarze Tod hat schätzungsweise 30 bis 60 % der Bevölkerung Europas getötet und gilt als das größte Unglück der Geschichte. Eine Katastrophe, die so gut wie alles veränderte: Mit Millionen von Toten bekam die menschliche Arbeit plötzlich einen Wert. Die Löhne stiegen und Arbeiter wurden wohlhabender, wodurch auch gesellschaftliche Strukturen ausgeglichener wurden. Land war nun im Überfluss vorhanden, da es weniger Menschen gab, mit denen man es hätte teilen müssen. Mit den höheren Einkommen stieg auch die Alphabetisierung in der Bevölkerung, was zu neuem Denken und zur Freiheit des Denkens führte.  

 

Mit der Bildung konnte die hierarchische Gesellschaft, in der die Menschen vor der Pest lebten, einer Gesellschaft Platz machen, die stärker auf Gleichheit beruht. Auch die Arbeitswelt veränderte sich: Es wurden vermehrt Uhren und Sanduhren entwickelt, um die Arbeitszeit der Menschen zu erfassen. Und da die Arbeit immer wertvoller wurde, wurden die Automatisierung und Werkzeuge erfunden, die es effektiver machten, Aufgaben zu erledigen. Brillen wurden eingeführt, um den Menschen zu helfen, produktiver zu arbeiten, ebenso wie Krankenhäuser, Waffen und moderne Wohnungen. Wichtiger aber: Die Pest machte den Bürgern klar, dass das medizinische System, auf das sie sich zuvor verlassen hatten und das in der Religion verwurzelt war, nicht funktionierte. Dies war die Geburtsstunde der modernen Medizin, die auf Wissenschaft und Experimenten beruhte.  

 

Eine der größten Katastrophen, die die Menschheit je erlebt hat, führte uns direkt in die Renaissance. Ein Schritt in die Moderne, der unser Leben noch heute nachhaltig prägt. 

 

Die Bostoner Kleinpocken-Epidemie und die freie Presse 

Im Jahr 1721 wurde Boston von der schlimmsten Pocken-Epidemie heimgesucht. Die Hälfte der 11.000 Einwohner der Stadt war infiziert. Die Zahl der Todesopfer war mit 850 beträchtlich, aber nicht annähernd so gravierend wie die vieler andere Epidemien. Aber es geschah etwas Entscheidendes: Die Menschen wussten, dass die Pocken tödlich sind, denn sie hatten bereits weltweit Millionen von Menschen getötet. Und man entschied sich, Menschen künstlich mit einem Experiment aus Asien zu immunisieren. Mittels Eiter aus einer Pocke eines infizierten Patienten wurden gesunde Personen mit dem Virus gezielt, aber schwach infiziert. Das verursachte eine leichte Infektion, die verhinderte, dass der Patient sich vollständig mit Pocken infizierte. Allein der Gedanke, infiziertes Material von einer tödlichen Krankheit zu nehmen und es auf einen gesunden Menschen zu übertragen, löste gesellschaftlichen Widerstand aus. Während einige darauf drängten, die Gesunden zu impfen, lehnte die Mehrheit der Bevölkerung die Impfung aus religiösen und moralischen Gründen ab. Obwohl die Vorteile offensichtlich waren (geimpfte Menschen hatten eine Sterblichkeitsrate von 2 %, verglichen mit 14 % bei den nicht geimpften), wurde diese Lösung als abstoßend angesehen. 

 

Als die Debatte weiterging, beschloss James Franklin (der Bruder von Benjamin Franklin), seine Ansichten (er war gegen die Impfung) in einer Zeitung zu veröffentlichen. Dieses Meinungspapier wurde zu einem Forum für Debatten und begann bald damit, weitere Themen wie Politik, lokale Ereignisse und sogar Humor aufzunehmen. Das wiederum war die Geburtsstunde der ersten unabhängigen Zeitung der USA. Die Pocken-Epidemie katalysierte die Entwicklung der Zeitung in den USA und führte zu einem Medium, das über Jahrhunderte hinweg unser Denken prägen sollte. 

 

SARS und das E-Commerce Wachstum  

Im November 2002 trat SARS (Schweres Akutes Respiratorisches Syndrom) erstmals in China auf und breitete sich schnell auf Hongkong und andere Regionen aus, wodurch die Welt in höchste Alarmbereitschaft versetzt wurde. Die Reisen nach Asien kamen zum Stillstand und kosteten die globale Reisebranche Milliarden. Der Tourismus brach weltweit zusammen, und die Unternehmen und die Weltwirtschaft litten darunter. Nach Schätzungen verursachte SARS einen weltwirtschaftlichen Gesamtschaden von 40 Milliarden Dollar: Menschen gingen nicht zur Arbeit; sie gingen nicht in Einkaufszentren, Kinder gingen nicht in Schulen, so dass die Eltern zu Hause bleiben mussten, sie gingen nicht in Restaurants. Alles in allem ein düsteres Szenario, ganz ähnlich dem, mit dem wir heute konfrontiert sind. 

 

Aber wie bei vielen anderen Epidemien konnte man bald positive Entwicklungen am Horizont erkennen: Die Internet-Durchdringung bei den chinesischen Verbrauchern, die in der Vergangenheit gering war, stieg an; der elektronische Handel, der praktisch nicht existierte, wurde selbstverständlich. Und weil Menschen zu Hause bleiben mussten, wollten sie trotzdem in Verbindung bleiben, von zu Hause aus einkaufen und Informationen nach Hause holen. Und so beschleunigte SARS seine Verbreitung des Internets in China und bot Unternehmen wie Alibaba und JD.com ein Sprungbrett, um von den sich ändernden Verbrauchergewohnheiten zu profitieren – und sich zu zwei der größten und einflussreichsten Unternehmen in China und der Welt zu entwickeln. 

 

Heute: Isolationswirtschaft 

Pandemien sind ein Katalysator für Innovation und beschleunigen den Wandel, indem sie ein Umfeld für die Einführung und Erprobung neuer Ideen bieten. Das heutige Corona-Virus verändert bereits kulturelle und geschäftliche Normen, die im Kern das erschüttern, was wir seit Jahrzehnten und Jahrhunderten für selbstverständlich gehalten haben. Der einfache Akt des Händeschüttelns wird immer mehr zu einem Relikt, selbst wenn wir unsere Hände ein Dutzend Mal am Tag chirurgisch sauber waschen. 

 

Telearbeit war bereits auf dem Vormarsch, aber "Arbeiten von zuhause", sprich „Home Office“ ist nun die neue Norm. Home Office wird zu einer großen Zahl von Veränderungen am Arbeitsplatz führen, die sich auf Teamarbeit, Produktivität, Zusammenarbeit und Kommunikation auswirken. Seit dem Ausbruch des Corona-Virus haben die Aktien von Zoom eine Kursralley sondergleichen erlebt. Ein frühes Anzeichen für einen Markt, der Veränderungen bereits vorwegnimmt. Es ist zu erwarten, dass sich diese Veränderungen auch weiterhin auf unsere Denkweise in Bezug auf Büroimmobilien und geschäftliche Interaktionen und Zusammenarbeit auswirken werden. Dieses und vieles andere wird zu einer Reihe von Innovationen, insbesondere in der fortschreitenden Digitalisierung und Collaboration führen. 

 

Außerdem halten sich die Menschen jetzt Abstand. Restaurants sind geschlossen, Fitnessstudios und öffentliche Plätze wieder gemieden. Mit der Popularität von Netflix, der Lebensmittelzustellung, Amazon Prime, ultraschnellem Breitband und Live Cardio Fitness Training zu Hause a la Peloton scheint es, als hätten wir das letzte Jahrzehnt damit verbracht, uns auf diesen Moment vorzubereiten. Unsere Veränderungen in der Lebensweise werden durch Corona de facto verstärkt. Unternehmen wie GLS und Hermes bieten bereits "kontaktlose" Zustelloptionen an. Ähnliche Angebote werden sich weiter entwickeln, und bald wird eine Welle der Innovation, die für unsere neue Lebens- und Arbeitsweise konzipiert ist, entstehen. Und für die Historiker wird das heutige Corona-Virus wahrscheinlich als der Funke für langfristige gesellschaftliche Veränderungen in die Geschichte eingehen. 

 

 

Die markenmut AG steht schon über 30 Jahre erfolgreich für kreatives und vor allem vertriebsorientiertes Marketing. Die Agentur mit Standorten in Trier, Frankfurt, Köln und Düsseldorf beschäftig aktuell 36 markenmutige Kreative und betreut zahlreiche Unternehmen aus Automotive, FMCG, Touristik, Industry, Finance und Tobacco. Dabei bieten vier markenmutige Departments spezialisierte Services entlang der kompletten Marketing Supply Chain: Von der Kreation über die automatisierte Produktion und Distribution von Werbemitteln bis zum „On Demand Advertising“. Damit das Marketing von markenmut Kunden auch künftig „the last legal unfair advantage“ im Wettbewerb bleibt.

 

Zum Autor:

TOBIAS VOIGT ist Vorstand und Gesellschafter der markenmut AG. Er zeichnet verantwortlich für das kreative Produkt der Agentur sowie markenautomat – das Consulting Department für Digital Marketing Automation, welches Tobias Voigt an den Standorten Düsseldorf und Frankfurt auf- und ausbaut.

 

 

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